
200 Jahre Jacobstempel Seesen -
200 Jahre Synagogenorgel
2010 jährt sich zum 200. Mal ein besonderes historisches Ereignis in der Harzstadt Seesen: Am 17. Juli 1810 weihte der herzoglich-braunschweigische Kammeragent und Landesrabbiner Israel Jacobson in Seesen eine Synagoge, den sogenannten „Jacobstempel“ ein. Es war ein Bauwerk, das für den jüdischen Gottesdienst wegweisende Zeichen gesetzt hat, weltweit für Aufsehen sorgte und die Emanzipation des Judentums im 19. Jahrhundert nachhaltig beeinflusste.
Der Seesener Tempel wurde die erste Synagoge, die allein für die Gottesdienstfunktion vorgesehen war. Das repräsentative Gebäude stellte sich nach außen selbstbewusst der christlichen Religion als gleichberechtigt dar. Der Name „Tempel“ sollte als „schwaches Nachbild“ des Tempels Salomos im napoleonisch bestimmten Musterstaat Westphalen, der den Juden eine Heimat versprach, das Ende der jüdischen Diaspora deutlich machen. Die Einführung der deutschen Sprache, der deutschen Predigt, des gemeinsamen Chorgesangs und einer gekürzten Liturgie modernisierte den jüdischen Gottesdienst. Krönung der revolutionären Neuerungen war die Einführung einer Orgel. Der Seesener „Jacobstempel“ wurde zum Prototyp für den modernen Synagogenbau des 19. Jahrhunderts.
Wir Seesener dürfen stolz sein, ein so bedeutendes kulturgeschichtliches Ereignis in der Chronik unserer Stadt zu haben und wir sollten das diesjährige Jubiläum dazu nutzen, unsere Kenntnisse darüber zu verbreiten und zu vertiefen.
Ich freue mich, dass es uns gelungen ist, anlässlich des Jubiläums hochkarätige Veranstaltungen zu organisieren und lade Sie herzlich dazu ein, diese mit allen Sinnen zu genießen.
Hubert Jahns
Bürgermeister der Stadt Seesen

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Vor 200 Jahren, am 17. Juli 1810 wurde in Seesen der Jacobstempel, die Synagoge der Jacobsonschule, in einem festlichen Gottesdienst eingeweiht. Euphorisch wurde die Hoffnung auf Toleranz einer neuen Epoche im Zusammenleben von Juden und Christen beschworen.
Die Geburtsstunde des modernen Judentums schlug in Seesen, wo zuerst in deutscher Sprache gepredigt wurde, wo chorischer Gesang, erstmals gestützt vom Klang einer Synagogenorgel, den Gottesdienst begleitete. Die “Muttersynagoge” der jüdischen Reformtempel des 19. Jahrhunderts stand in Seesen. Wie die meisten Synagogen Deutschlands fiel auch der Seesener Jacobstempel in der Reichspogromnacht 1938 den NS-Brandstiftern zum Opfer.
Das 200-jährige Tempel-Jubiläum soll an ein außerordentliches Bauwerk und eine fruchtbare Zeit jüdisch-deutscher Kultur erinnern, historische Quellentexte zusammenführen und die Bedeutung des “Jacobstempels” für die jüdische Kultur im 19. Jahrhundert aus verschiedenen fachwissenschaftlichen Perspektiven beleuchten. Am Ende dieses Prozesses wird eine
Rekonstruktion des zerstörten Tempels in einem Modell und in einer virtuellen Computer-Realisation wieder sichtbar.








